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Group Show // Nick Gentry – Andrew Salgado – George Morton-Clark // “London Portraits” // Vernissage 19.9. – 19 Uhr

Group Exhibition // NICK GENTRY – ANDREW SALGADO – GEORGE MORTON-CLARK  // “London Portraits” // Vernissage am Donnerstag, 19. September – 19 Uhr // Nick Gentry ist anwesend

Malerei // Ausstellung bis 19.10.2013

von Dr. Rolf Lauter

Nick Gentry – Andrew Salgado – George Morton-Clark

NICK GENTRY -  REFLECTIVE PAINTINGS

Nick Gentry begann seine Karriere als Künstler in London, indem er seine „London Portraits“ konsequent aus technischen Abfallprodukten und Malerei zu einer individuellen Ausdrucksform entwickelte. Es sind „Reflexive Bilder“, REFLECTIVE PAINTINGS die den Betrachter in ein komplexes Interpretationsgeflecht verwickeln, dem ebenso gesellschaftskritische wie wahrnehmungsästhetische Momente eigen sind.

Eine Art Markenzeichen seiner Werke sind die als Bildfonds verwendeten ausgedienten Computer Disketten, sogenannte Floppy Discs, die bis in die 80er Jahre als wichtigste Datenträger für Computer gespeicherte Daten, Bilder, Programme und mehr eingesetzt wurden. Dabei bringt Gentry nicht etwa seine eigenen Disketten als Bildgrund zum Einsatz, sondern Menschen aus aller Welt schicken dem Künstler ihre Datenträger. Damit entwickelte er nicht nur ein spezielles Kooperationsmodell, sondern so möchte er die Distanz zum Betrachter verringern.

Die Anordnung der nach ihrem äußeren Erscheinungsbild ausgewählten Disketten erfolgt je nach Art und Umriss des gewünschten Portraits, d.h. die Farbe der Disketten ist primär entscheidend. Auf dieser Basis konfiguriert der Künstler die grundlegendegestalterischen Ordnung indem er hellere und dunklere Disketten zur grundlegenden Verteilung von Licht und Schatten seiner späteren Komposition einsetzt. Anschließend übermalt Gentry seine Diskettenordnung mit einem jeweils von Anfang an konzipierten Porträt. Die so entstandenen „Gesichter Londons“ sind Bildmotive, die durch seine Spaziergänge in London inspiriert werden, aber eine Art Allgemeingültigkeit erlangen: Schöne Menschen aus unserer Gegenwart.

Die Disketten enthalten manchmal lesbare Beschriftungen wie VIRUS KILLER, GOLDEN AXE, UFO ENEMY UNKNOWN DISK, JUAN’S FOTOS 1993, INSTALL FANTASIES, andere sind eher anonym oder enthalten Computerprogramme. Die Inhalte bleiben sowohl für den Künstler, als auch für den Betrachter verborgen, geheim, wie auch die Portraits der Menschen anonym bleiben. Es sind Bilder von Individuen, deren privates Leben, ihre Intimität für uns verborgen bleibt und denen wir uns durch Gentrys Werke alleine temporär und imaginär annähern.

Das Menschenbild wird hier zum Spiegel gesellschaftlicher Vorgänge, dessen Strukturen in einem ständigen Wandel begriffen sind und die durch immer neue Kommunikationsmedien stets komplexer werden.

Die „London Portraits“ sind Darstellungen auf der Basiseiner Sampling-Struktur, bei der Elemente aus unbekannten Zusammenhängen zu einem neuenvielschichtigen Kontextkomponiert werden. (vgl. John Baldessari).Wir sehen vermeintlich schöne Gesichter im Kontext von technischem Abfall, Informationsprodukten.Ausgediente Kommunikationsmedien werden metaphorisch zum Transmitter neuer künstlerischer Botschaften.Technologie wird zum partiellen Medium der Kunst. Gentrys Werke erzählen von früheren Zeiten, zeigen eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart und lassen Vorstellungen über die Zukunft anklingen. Seine nächsten Arbeiten gehen auf diesem zukunftsträchtigen Weg weiter und geben uns weitere tiefere Einsichten in die Mysterien Mensch, Mensch-Maschine und Gesellschaft der Zukunft.

Statements

„Maybe what separates me from other artists is the fact that I don’t often find or buy the materials I use. People willingly take part in my projects by donating their old stuff to me, I like to think it makes it a kind of social art.” 

“I like the x-ray work as it focuses on the biological side of who we are and what is inside us. To look at someone else’s x-ray is to look inside someone else’s body, it’s a very personal thing.”

“I liked art as a child, I enjoyed drawing and creating things. I knew what I wanted to do with my life from an early age so I feel lucky in that respect. When you are at college you can experiment and do things without worrying too much. It was also inspiring being around other creative people.“

“It’s the artist’s job to comment on the present day. Throughout history artists have explained what was going on in a particular period. The news and other sources don’t document a moment in a soulful way like art does, concentrating on the way people are feeling at the time. With my work, I like to think I am using the past to capture the present.”

ANDREW SALGADO  -  PSYCHOLOGICAL PAINTING

Stärker als Gentry verkörpert Salgados Malerei die Tradition der britischen Porträtmalerei, obwohl er als Kanadier erst 2008 nach London kam. Einflüsse der Werke von Francis Bacon, Lucian Freud oder Jenny Saville zeigen, dass Salgado seinen Ausdruck des Portraits im Zusammenhang mit der psychischen, seelischen Stimmung seiner Personen abstimmt. Gesichter werden je nach Wahrnehmungseindruck gemalt, gespachtelt, verdichtet oder koloristisch pointiert.

Im „Vermalen“ liegt zum einen eine Distanzierung vom Motiv, vom Menschen, zum anderen erfolgt aber dadurch auch gerade eine besondere individuelle Annäherung, die nicht erklärbar, sondern nur wahrnehmungsästhetisch spürbar ist. Ähnlich den Plein-Air Malern im 19. Jahrhundert, die das Wahrgenommene in der Natur auf die Leinwand bringen wollten und je nach individueller Bedingtheit dem Motiv Ausdruck verliehen, nähert sich Salgado seinen Personen jeweils mit anderen Ausdrucksmomenten der Malerei an. So lässt er uns etwas von der Wahrheit eines Menschen spüren, etwas, was meist im Verborgenen bleibt.

Statement

“I am drawn to the artists who are the rule breakers,” Salgado states, “and I am interested in how my paintings might operate independently from their literal figurative foundation, how they might engage with an exploration of color, reduction of forms, and triumph of materiality, but still tell some kind of true–to–life story, pulling the viewer from the sutures of the represented subject to invite understandings beyond the confines of the painted picture.”

GEORGE MORTON-CLARK  -  SUBCONSCIOUS PAINTINGS

Die SUBCONSCIOUS PAINTINGS von George Morton-Clark sind radikale Entäußerungen von Gesichtern und Menschenbildern, denen meist eine negative Aura, ein Hauch von Ironie und Sadismus oderein Ausdruck von Angst und psychischer Abgründigkeit eigen ist. Morton-Clark ist bei seinen malerischen Annäherungen an psychologische Darstellungen von Menschen, Menschentypen, bekannten Persönlichkeiten oder Kinohelden auf der Suche nach einer tieferen Wirklichkeit, die sich aus Traumbildern, angstbesetzten Bildwelten,soziopsychischen Zusammenhängen oder auch imaginären Vorstellungen zusammensetzen. Malerei als Psychogramm der Gesellschaft, Spiegel der gequälten und sich quälenden Psyche im Menschen … Einflüsse von Arnulf Rainer, Jean-Michel Basquiat und Street Painters zeigen eine Auseinandersetzungmit der „Ehrlichkeit der Strasse“ und den Wirklichkeiten, die hinter der sichtbaren Wirklichkeit verborgen ist  ….

Statements

„Ever since I was small I’ve looked at paintings like movies that will never reveal their endings – stories that will go on forever; and forever be written. To appreciate art is to be at one with your thoughts and your experiences. These are what bring the art to life. And the idea that when someone looks at one of my paintings it can generate a completely different emotional experience to the next person. The power of an image lies in its near-infinitesimal interpretation.“

„But painting for me is not a choice, it’s a necessity. An integral part of me as a human being. Ever since I can remember, I have wanted to create. Each painting is a therapeutic journey, from first to final brush stroke. The start point can be something as simple as a colour or image, after which the emotions gather and quickly an initial concept crystallises. Each piece falling into place like a puzzle. But the process is fluid: the first idea can change drastically as I paint. But rather than frustrating, I find these developments are the most exciting part of the creative process. Making mistakes leads you down paths that you would otherwise never of found. This process accounts as much for style as for content and it’s why I tend not to sketch – I find I’m more creative while painting and better at manipulating the colours and image while ‘in the moment’.“

„The colour and the fall of the paint help to direct the piece as much as anything. A slight difference in tone or an unplanned paint stroke can alter the image and start a whole new game. What may at first appear to be a mistake is more often than not the painting revealing itself to me. This organic method – in part a sort of free association of ideas, colour and images – can at first seem to obscure the ‘meaning’ of the painting. But by letting my subconscious lead the creative process there is arguably a greater truth that’s revealed in the final piece. Something deeper, something that is closer to myself and the essence of artistic generation.“

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